Trotz angestiegener Gesundheitsausgaben erkennen die Berater im internationalen Vergleich Verbesserungspotenzial. Welche Erfolgsfaktoren für das neue Vergütungssystem kritisch sind und wie es erfolgreich umgesetzt werden kann, wollen die Berater in der Studie "Qualitätsorientierte Vergütung im Krankenhaussektor: Die richtigen Anreize schaffen – Qualitätsdefizite in der stationären Versorgung beheben" beschreiben.
Das Problem: Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser ist alarmierend. Bereits 40 Prozent der Krankenhäuser schreiben rote Zahlen, so Roland Berger. Kostendruck und gesetzliche Einsparmaßnahmen engten den finanziellen Spielraum immer weiter ein. Die Krankenhäuser hätten wenig finanziellen Spielraum, um die Qualität stationärer Behandlungen weiter zu verbessern.
2005 lag Deutschland im europäischen Vergleich noch auf Platz drei bei der Qualität stationärer Behandlungen. Ende 2013 lagen deutsche Krankenhäuser nur noch auf Platz neun, und das, obwohl das Land europaweit die zweithöchsten Gesundheitsausgaben verbucht. "Die Ausgaben werden oftmals nicht optimal eingesetzt, viele Krankenhäuser haben noch Verbesserungspotenzial", sagt Peter Magunia, Leiter der Healthcare Practice Deutschland bei Roland Berger und Autor der Studie.
Krankenhausstrukturgesetz: „Ambitioniert“
Mit dem Krankenhausstrukturgesetz soll die Situation deutlich verbessert werden. Die Reformziele bewertet Roland Berger als "ambitioniert": eine Verbesserung der stationären Behandlungsqualität, die gesetzliche Verankerung einer patientengerechten und höherwertigen Versorgung sowie Zu- bzw. Abschläge in Abhängigkeit von der Versorgungsqualität.
Um auf die künftig steigenden Qualitätsanforderungen und ein qualitätsorientiertes Vergütungssystem reagieren zu können, empfehlen die Roland Berger-Experten, das Qualitätsmanagement in deutschen Krankenhäusern neu auszurichten. Krankenhäuser müssen standardisierte Mess- und Steuerungssysteme einführen und Prozesse sowie Strukturen auf jene Faktoren neu ausrichten, die maßgeblich für die Behandlungsqualität von Patienten sind. Mitarbeiter sollten im gesamten Qualitätsprozess von Anfang an aktiv eingebunden werden, um die Notwendigkeit einer Neuausrichtung klar zu machen und mögliche Widerstände zu vermeiden.