Je nach Indikation und individuellen Bedürfnissen setzt das Sanitätshaus Reutter bei der Einlagenversorgung auf die additive Fertigung. Dabei steht der 3D-Drucker nicht versteckt in der Werkstatt, sondern als Blickfang bewusst im Verkaufsraum.
Seit November 2021 ist der 3D-Drucker im Einsatz. „Wir gehörten damit zu den ersten Unternehmen der Branche, die auf diese Technologie setzen. Wir wollen unseren Kunden nicht nur zeigen, wie ihre Einlagen gefertigt werden, sondern auch unsere Offenheit gegenüber Innovationen kommunizieren“, erklärt Inhaber Andreas Gockenbach.
Das Ladenbauunternehmen Helia konstruierte daher ein individuelles Möbelstück. Es bietet nicht nur Platz für den Drucker, sondern auch für Einlagen und Schuhe zu Demonstrationszwecken sowie die Materialbevorratung.
Die Herstellung eines Einlagenpaares erfolgt im FDM-Druck-Verfahren (Fused Deposition Modelling) und bietet die Möglichkeit, Einlagen bis Schuhgröße 48 zu produzieren. Je nach Größe dauert der Druck eines Paares 30 bis 60 Minuten. Das schaut sich kein Kunde in Gänze an. In das Möbel ist daher ein Bildschirm integriert. Dort läuft ein Video, das den Fertigungsprozess zusammenfasst.
Derzeit beträgt der Anteil der 3D-gedruckten Einlagen rund 10 Prozent der jährlichen Einlagenproduktion. „Die Tendenz steigt aber an“, so Silvia Kober, zuständig für das Marketing.
Mit den Einlagen aus dem 3D-Drucker werden hauptsächlich Kinder und Sportler versorgt. Silvia Kober hebt u.a. die hygienischen Vorteile der Einlagen hervor. „Sie sind komplett waschbar, unter fließendem Wasser oder sogar in der Waschmaschine.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt: Bei der Herstellung der 3D-gedruckten Einlagen entsteht kein Abfall wie z.B. bei gefrästen Einlagen. Außerdem sei der Drucker sehr leise und sauber. Somit stelle er keine Störquelle im Verkaufsraum dar.
Als Basis für die 3D-Einlagen dienen Erfassungstechniken wie der 2D-Scanner. Mithilfe einer Konstruktionssoftware werden die Daten bearbeitet und der Einlagentyp an die Fußprobleme angepasst. Es lassen sich drei Härtegrade wählen. Außerdem können die Einlagen mit einer Polsterung ausgestattet werden, so dass z.B. auch ein Fersensporn versorgt werden könne.