Sie bieten einen sogenannten Hilfsmittelpass an – ein Dokument, das Informationen zum Hilfsmittel bündelt und für Therapeuten, Ärzte und Erzieher zugänglich macht. Wie funktioniert das konkret im Versorgungsalltag?
Lichtmann: Die Grundidee hinter dem Hilfsmittelpass ist die vollumfängliche Einsicht in alle vorhandenen Hilfsmittel, die das versorgte Kind hat. Er wird vom Außendienstler ausgefüllt und beinhaltet alle Hilfsmittel inklusive der Seriennummern, mit denen das Kind versorgt ist. Damit können Ärzte und Therapeuten aber vor allem auch die Eltern selber auf einen Blick sehen, was das Kind bereits hat, was es vielleicht noch benötigt. Im Prinzip ist der Hilfsmittelpass eine feine Sache, jedoch sind wir hier stark auf die Mitarbeit der Eltern angewiesen. Der beste Hilfsmittelpass bringt nichts, wenn er zu Hause in der Schublade liegt. Um den Anreiz des Hilfsmittelpasses etwas zu verstärken, planen wir aktuell, ein Stempelheft für Kinder zu entwickeln. Pro Besuch gibt es einen Stempel und wenn das Heft voll ist, kriegen die Kinder eine kleine Überraschung. Das kann ein kleines Kuscheltier sein oder eine Trinkflasche, je nach Alter und Bedarf des Kindes.
Hodey Kids ist Rehakind-zertifiziert. Für Brancheninsider ist das ein klares Qualitätssignal, aber was bedeutet diese Zertifizierung in der täglichen Versorgungspraxis ganz konkret?
Lichtmann: Rehakind steht in der Branche für Qualität und Vertrauen. Uns ist es ein großes Anliegen nicht nur aus werbetechnischen Gründen dieses Siegel zu tragen, sondern es ist uns ein großes Anliegen, unsere Fachberater zertifizieren zu lassen und die fachlichen Herausforderungen in unseren Versorgungen mit stetig neuen qualitativen Verbesserungen umzusetzen. Zudem haben sie wirklich gute Veranstaltungen, zum Beispiel den Focus CP Rehakind Kongress, den wir jedes Mal besuchen. Rehakind ist eine gute Sache, die wir gerne unterstützen.
Sie beschreiben einen Fünf-Schritte-Prozess von der Diagnostik bis zur Versorgung. In der Realität scheitern viele effektive Versorgungen jedoch an langen Bearbeitungszeiten der Krankenkassen oder an Ablehnungen. Wie gehen Sie bei Hodey Kids damit um?
Lichtmann: Der erste Schritt ist natürlich immer der Kontakt zu den Eltern bzw. Therapeuten/Ärzten, mit denen wir bei einer Beratung den Bedarf ermitteln. Das Therapiekonzept erstellen die Fachberater aus meinem Team meist nicht alleine, das geschieht in enger Abstimmung mit den Therapeuten und Ärzten. Nach der Beratung bekommen wir das Rezept und reichen den Kostenvoranschlag bei den Krankenkassen ein. Der Prüfprozess des Kostenvoranschlags benötigt häufig ziemlich lange aufgrund der vielen Schnittstellen und der Wirtschaftlichkeitsprüfung der GKV. Nicht immer kommt es zu einer Neuversorgung und somit können nicht immer alle Wünsche für die Kinder, wie zum Beispiel die Farbe erfüllt werden. Für die Eltern ist dieser Genehmigungsprozess trotz Aufklärungsarbeit oft unklar, die wundern sich, weshalb eine Genehmigung so lange dauert. Das erfordert für uns eine sensible Kommunikation. Aufklärung ist an dieser Stelle wirklich wichtig. Hier hilft uns auch das Netzwerk von Rehakind immer wieder.
Ihr Einzugsgebiet umfasst laut Website ganz NRW, mit Standorten in Kamp-Lintfort und Aachen. Welche Rolle spielt der Fachkräftemangel für Sie?
Lichtmann: Für uns spielt der Fachkräftemangel eine essenzielle Rolle. Gerade im Bereich der Orthopädietechnik (Sonderbau und Orthetik) fehlt es an qualifizierten Fachkräften. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit den SPZs und Einrichtungen in unserem Gebiet und einer guten Koordination können wir effizienter und bedarfsgerecht versorgen. Das Berufsfeld ist sehr vielfältig, jedoch nicht bekannt genug, sodass viele junge Menschen den Beruf und die facettenreiche Arbeit nicht kennen. Das ist sehr schade. Die Kombination aus Handwerk, Anatomie und Umgang mit Menschen macht diesen Beruf so spannend. Ohne Fachkräfte können wir nicht flächendeckend versorgen, daher ist es besonders wichtig, diesen Beruf präsenter zu machen.
Wenn Sie auf die Hilfsmittelbranche insgesamt schauen: Was muss sich ändern, damit die Versorgung von Kindern mit Behinderungen in Deutschland besser wird?
Lichtmann: Die Prozesse müssen kürzer, schneller und leichter verständlich werden. Nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für uns als Sanitätshaus. Wir müssen dringend weg von der überbordenden Bürokratie! Gerade bei Kindern im Wachstum mit stetiger Therapie ist die Zeitdauer von Kostenvoranschlag bis zur Genehmigung oft ein zu langer Prozess.