Seitdem im Herbst 2020 die erste DiGA zugelassen wurde, hat sich der Markt für die von Ärzten oder Psychotherapeuten verschriebenen digitalen Anwendungen stark entwickelt. In seinem ersten DiGa-Report nimmt der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung e.V., kurz SVDGV, den neuen Markt in den Fokus. Im vorliegenden Report geht der SVDGV auf die Entwicklung des DiGA-Marktes, die Versorgungsmengen sowie auf wesentliche Erkenntnisse ein.
Seit Zulassung der ersten DiGA steigt sowohl die Anzahl der DiGA im Markt als auch die Zahl der ärztlichen und psychotherapeutischen Verordnungen kontinuierlich. Mit diesem Marktwachstum gehen steigende Beschäftigungszahlen, ausländische Direktinvestitionen sowie Forschung und Entwicklung einher. Darüber hinaus findet das deutsche Modell der digital unterstützten Versorgung mit DiGA sukzessive Eingang in die Gesetzgebung anderer europäischer Länder.
Der Report bezieht sich auf die 49 zum Stichtag 30.09.23 gelisteten DiGas, von denen 41 der dahinter stehenden Hersteller Mitglieder im SVDGV sind. Von den 49 DiGA sind 24 Anwendungen dauerhaft gelistet, 25 DiGA sind zu dem Zeitpunkt vorläufig im Verzeichnis gelistet und befinden sich somit im Erprobungszeitraum. Die größte Gruppe der DiGA machen solche für psychische Erkrankungen aus, aber auch in der Kategorie “Muskeln und Gelenke” sind bereits mehrere Anwendungen gelistet.
Neben der reinen Anzahl der gelisteten DiGA nimmt auch die Vielfalt der adressierten Indikationen laut Spitzenverband stetig zu: Waren ein Jahr nach Start des DiGA-Fast-Track-Verfahrens vor allem DiGA für psychische Erkrankungen sowie für Adipositas und Muskel- und Gelenkbeschwerden erhältlich, sind mittlerweile auch solche für Alkoholabhängigkeit, Endometriose oder zur Entwöhnung vom Rauchen verfügbar. Die digital unterstützte Versorgung mithilfe von DiGA bietet somit ein zunehmend breiteres Spektrum an Unterstützungsmöglichkeiten.
Rund 370.000 DiGA-Freischaltcodes wurden seit Erstzulassung insgesamt eingelöst. Die neuen digitalen Therapiemöglichkeiten wurden somit von Tausenden Patienten und Patientinnen in Anspruch genommen, wobei je nach Berichtsperiode der Anteil der weiblichen Nutzerinnen zwischen 50 und 70 Prozent lag. Die Gründe für diesen hohen Anteil weiblicher Nutzerinnen in der Datenbasis können vielfältig sein: Zum einen sind einige der gelisteten DiGA ausschließlich für weibliche Nutzerinnen vorgesehen und zugelassen, wie HelloBetter Vaginismus Plus oder EndoApp, die für die Behandlung von Endometriose entwickelt wurde. Hinzu kommt, dass einige Indikationen, die mit DiGA adressiert werden, bei weiblichen Patientinnen deutlich häufiger diagnostiziert werden. So sind mittlerweile sechs DiGA für die Behandlung von Depressionen gelistet, eine Erkrankung, die bei Frauen doppelt so häufig diagnostiziert wird wie bei Männern. Darüber hinaus gibt es auch in der allgemeinen Gesundheitsversorgung und in der Wahrnehmung von Präventionsangeboten Unterschiede: So zeigen Erhebungen seit Jahren, dass Frauen häufiger und bei Beschwerden frühzeitiger medizinische Hilfe in Anspruch nehmen sowie regelmäßiger zu Vorsorgeuntersuchungen gehen als Männer. Infolgedessen erhalten sie auch früher Verordnungen, wie in diesem Falle mithilfe digitaler Gesundheitsanwendungen.
Weitere Erkenntnisse aus dem DiGA-Report finden Sie hier.