Unter dem Leitthema „Lymphologie im Fluss – Wissen, das bewegt“ widmete sich der Kongress vom 27. bis 29. Juni 2025 zentralen Fragestellungen an der Schnittstelle von klinischer Versorgung, evidenzbasierter Medizin und gesundheitsökonomischer Rahmenbedingungen. Veranstaltet wurde er vom Medizinprodukte-Hersteller Medi in Frankfurt.
In einem wissenschaftlich fundierten Programm diskutierten knapp 300 führende Vertreterinnen und Vertreter aus Ärzteschaft, Fachhandel und Physiotherapie aktuelle Entwicklungen – etwa zur neuen S2k-Leitlinie Lipödem, zur chirurgischen Therapie des Lymphödems sowie zur Rolle der Adipositas.
Dr. Tobias Bertsch (Leitender Oberarzt und Facharzt für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Adipositas-Therapie / Lymphologie an der Földiklinik Hinterzarten) unterstrich in seinem Eröffnungsvortrag „Lymphödem und Adipositas“ die Relevanz multimorbider Versorgungsansätze. In weiteren Keynotes beleuchteten die Referentinnen und Referenten die psychologischen Aspekte der Adipositas (Gabriele Erbacher, Földiklinik, Hinterzarten), die Rolle der Adipositas-Chirurgie bei Lip- und Lymphödemen (Prof. Dr. Jodok Fink, Universitätsklinikum Freiburg) sowie die ethischen und wirtschaftlichen Spannungsfelder im Gesundheitswesen (Prof. Dr. Volker Großkopf, Katholische Hochschule NRW, Köln, und Prof. Dr. Rüdiger Horstmann, ehem. Herz-Jesu-Krankenhaus, Münster).
Besonderes Augenmerk lag auf der neuen S2k-Leitlinie Lipödem, deren Inhalte und praktische Umsetzung von Dr. Bertsch und Gabriele Erbacher vorgestellt und im Plenum diskutiert wurden.
In Workshops konnten die Teilnehmenden an praxisrelevanten Fragen arbeiten:
- Männliches und weibliches Genitallymphödem –Herausforderung für Behandelnde
- Mut zur Veränderung. Es ist (d)eine Entscheidung!
- Prozessoptimierung im medizinischen Fachhandel: die Chancen der Digitalisierung nutzen
- Der schwierige Patient/Kunde in der Praxis oder im Sanitätshaus
Vorträge zu Kopf-Hals-Lymphödemen (Dr. Thomas Meier-Lenschow, Gemeinschaftspraxis in Freising/Neufahrn) und bislang unterrepräsentierten Krankheitsbildern wie dem männlichen Genitallymphödem (Thomas Zähringer, Földiklinik, Hinterzarten) rundeten die Veranstaltung ab.
In seinem Vortrag zu operativer Lymphchirurgie widmete sich Prof. Dr. Christian Taeger (Plastische Chirurgie & Ästhetik an der Isar, München) der Frage, bei welchen Patientinnen und Patienten der mikrochirurgisch-rekonstruktive Eingriff die geeignete Maßnahme ist.
Den abschließenden Impuls lieferte der ehemalige Ruder-Weltmeister und heutige Coach, Berater und Speaker Bernhard Sieber mit seinem Vortrag „Gemeinsam an Bord – Synergien nutzen, Ziele erreichen“. Mit seiner Expertise aus Hochleistungssport, systemischem Coaching und Teamentwicklung übertrug Sieber zentrale Prinzipien erfolgreicher Zusammenarbeit auf die besonderen Herausforderungen in der medizinisch-therapeutischen Versorgung – ein Thema, das ihn auch privat beschäftigt, da seine Frau als Physiotherapeutin und Osteopatin arbeitet. Im Zentrum seiner Ausführungen stand die Frage, wie Höchstleistung im Zusammenspiel von Individuen entsteht – insbesondere dort, wo unterschiedliche Professionen, Interessen und Perspektiven aufeinandertreffen. Eine seiner Botschaften: „Zuzuhören, die eigene Rolle oder Position gezielt zu verlassen und sich in die Welt des Gegenübers hineinversetzen zu können, sind die Schlüsselkompetenzen erfolgreicher Teamarbeit. Angewandt auf den Bereich der Lymphologie heißt das: Ein Miteinander auf Augenhöhe zwischen allen Schnittstellen, die an der Therapie von Lip- und Lymphödem-Betroffenen beteiligt sind, gegenseitiger Respekt und vor allem intensiver Austausch sind essenziell für patientenorientierte Lösungen in der Lymphologie. Eigene Standpunkte müssen immer wieder überprüft, Erfahrungen mit anderen geteilt und diskutiert werden. Nur im Kollektiv können alle Beteiligten in der Versorgungskette die größte Kraft entwickeln!“
Die von Bernhard Sieber verwendete Metapher des Ruderbootes – bei der verschiedene Positionen unterschiedliche Aufgaben und Perspektiven einnehmen – diente als Anschauungsmodell für kollektives Arbeiten, Dynamik und gegenseitiges Vertrauen in Teams. In einem interaktiven Element inszenierte Sieber diese Struktur auf der Bühne bei Synergie 2025 und forderte das Publikum zu einem Perspektivwechsel auf: „Wer immer nur führt, lässt sich nicht führen – und wird keinen gemeinsamen Rhythmus finden. Es ist ein Wechselspiel aus beidem. Nur durch eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit und gemeinsame Ziele können wir Potenziale voll heben – im Sport wie im Berufsleben und auch bei der Therapie von Lip- und Lymphödem-Betroffenen.“