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eCommerce-Konferenz

Valide Stammdaten als „digitales Blut“

Valide Stammdaten als „digitales Blut“

Daten sind der Treibstoff der digitalen Entwicklung in der Gesundheitswirtschaft. Das verdeutlichten die Experten der 20. eCommerce-Konferenz von MedInform im Februar in Düsseldorf.

Dabei sei eine gute Qualität der Stammdaten eines Unternehmens die Voraussetzung für optimierte, automatisierte Geschäftsprozesse. "Geschäftserfolge beruhen künftig auf sauber gepflegten Stammdaten", betonte der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan. Die MedTech-Unternehmen müssten dabei aus ihren Daten selbst digitale Geschäftsmodelle entwickeln.

Der Umsetzungsdruck für ein besseres Datenmanagement kommt dabei zunehmend auch durch Vorgaben des Gesetzgebers auf europäischer und nationaler Ebene. Beispiele sind die verbindliche Einführung elektronischer Rechnungen an öffentliche Auftraggeber (siehe Lasten) oder die Pflicht zur standardisierten UDI-Kennzeichnung von Medizinprodukten nach der neuen EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR). Hinzu kommen neue Pflichten aus den Bereichen Datenschutz und Datensicherheit. BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt warb für einen mutigeren Umgang mit dem Thema Digitalisierung. "Wir müssen Digitalisierung positiv begreifen und begleiten. Die Chancen durch diese neuen Wege sind enorm, die Risiken durchaus beherrschbar."

Dr. Meinrad Lugan, Vorstandsmitglied bei B. Braun Melsungen und BVMed-Vorstandsvorsitzender, beleuchtete die dramatische Entwicklung der Digitalisierung. Die digitalen Technologien sind "raumgreifend" geworden, sie werden "ambient". Das betrifft auch die Medizinprodukte-Branche. Geschäftserfolge beruhen künftig auf sauber gepflegten Stammdaten. Modernes Stammdaten-Management hat damit eine enorme Bedeutung. Dienstleister wie Amazon können mit ihren Daten in eine individuelle Tiefe gehen, wie es die Unternehmen derzeit noch nicht können. Lugan: "Die MedTech-Branche muss aufpassen, dass sie nicht zum reinen Produktlieferanten ohne Datenhoheit wird." Die MedTech-Industrie und der wichtige Kunde Krankenhaus hinken technologisch Jahre hinter dem her, was möglich ist. Der digitale Gesundheitsmarkt wächst sehr viel stärker als der analoge Markt. Damit können digitale Dienstleistungen künftig wertvoller werden als die Produkte. Die Akzeptanz von Medical Apps steigt. Es gibt bereits 1,2 Millionen Health-Apps. "Wenn davon nur 500 Apps ein gutes Geschäftsmodell entwickeln, das zwischen den MedTech-Unternehmen und seinen Kunden steht, wird das schon dramatische Auswirkungen haben", so der BVMed-Vorstandsvorsitzende. Sein Fazit: "Wir müssen bei der Digitalisierung aus unserem Schneckentempo herauskommen, sonst machen die neuen Spieler mit ihren Daten die neuen Regeln der Patientenversorgung. Die Unternehmen müssen aus ihren Daten selbst digitale Geschäftsmodelle entwickeln."

Stammdatenmanagement

Die Bedeutung eines guten Stammdatenmanagements betonte der IT-Experte Dr. Hans-Werner Velten. Eine gute Stammdatenqualität ist die Voraussetzung für optimierte, automatisierte Geschäftsprozesse. Zu den Stammdaten eines Medizinproduktes gehören technische Daten und Spezifikationen, klinische Daten und Leistungsdaten, Produktionsvorgaben, Herstellungsdaten, Anwendungsvorgaben, UDI- und Labeling-Vorgaben, aber auch Katalogdaten und Vermarktungsdaten. Stammdaten werden dabei immer in unterschiedlichen Systemen und Datenbanken vorgehalten, beispielsweise im ERP-System oder in QM-Datenbanken. Eine gute Stammdatenqualität kann durch dokumentierte und geschulte Anlage-, Änderungs- und Deaktivierungsprozesse erreicht werden. "Stammdatenmanagement ist eine Organisations- bzw. Prozessaufgabe, damit die Qualität nachhaltig ist, keine rein technische Aufgabe", so Velten. Ein Datenqualitätsmanagement braucht eine klare Festlegung von Rollen, Verantwortlichkeiten und Berechtigungen. Ein Lösungsansatz kann ein zentrales System sein, in dem Stammdaten angelegt, geändert und ausgelesen werden können.

Einen ausführlichen Bericht über die eCommerce-Konferenz lesen Sie in der April-Ausgabe von GesundheitsProfi, die am 5. April erscheint.

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Tobias Kurtz / 21.03.2018 - 12:55 Uhr

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