Der Vertrag werde als „Signal“ für eine wirtschaftliche, patientenorientierte Versorgung gewertet. Aus Sicht vieler Leistungserbringer und Branchenvertreter sei diese Einschätzung nicht übertragbar auf die Breite der Versorgung und ignoriert wesentliche wirtschaftliche Realitäten, teilt der Verband Versorgungsqualität Homecare mit. „Die Kosten steigen – sie sinken nicht.“
Die Personalkosten seien seit 2015 um rund 30 bis 35 % gestiegen, teils durch gesetzliche Vorgaben, teils durch den Wettbewerb um Fachkräfte.
Die Rohstoffpreise (z. B. Zellstoffe, Kunststoffe) hätten sich in den die Branche betreffenden Bereichen verdoppelt.
Die Logistik- und Energiekosten seien seit 2021 um über 25 % gestiegen.
Die allgemeine Inflation liege kumuliert seit 2015 bei etwa 30 %.
Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen, Dokumentationspflichten und Qualitätsstandards mit unmittelbarem Personal- und Zeitaufwand. Daher dürfe ein solcher „neuer“ Vertrag nicht als Standard missverstanden werden.
Der VVHC begrüßt daher ausdrücklich, dass die Barmer die bestehenden rund 13 Verträge im Bereich der PG 15 Ableitende Inkontinenzversorgung nicht ersetzt, sondern den neuen Vertrag als ergänzendes Angebot offenlegt. Das zeige Verständnis für die Vielfalt der Leistungserbringer und die regional unterschiedlichen Versorgungsstrukturen. Gleichzeitig müsse aber auch klar sein: „Einzelverträge mit besonderen betrieblichen Voraussetzungen sind kein Maßstab für die Fläche.“
Wer heute niedrigere Preise anbietet, mache dies möglicherweise durch Skaleneffekte, spezifische Strukturen, Einzelfallmodelle, aber auch mit dem Gedanken steigender Versorgungszahlen durch Patientensteuerung, so der VVHC. „Nicht jedoch unter allgemeinen Rahmenbedingungen inkl. der bestehenden Wahlfreiheit aller Versicherten.“
Der VVHC appelliert: Wirtschaftlichkeit darf nicht mit Preisdruck verwechselt werden. Wenn Versorgungen dauerhaft tragfähig bleiben sollen, braucht es auskömmliche Preise, transparente Vertragsverhandlungen und Partnerschaft auf Augenhöhe