„Hilfsmittelversorgung ist nicht nur ein Versorgungsauftrag. Sie ist ein wichtiger Hebel für den klimafreundlichen Umbau unseres Gesundheitssystems“, betonte Dr. Johannes Thormählen, Vorstand der GWQ Serviceplus AG, in seiner Eröffnungsrede zu der Veranstaltung am 5. Juni in Berlin.
Zentrale Themen waren die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in Vertragsstrukturen, die Rolle zirkulärer Wertschöpfung sowie die Verantwortung von Herstellern und Leistungserbringern über den Produktlebenszyklus hinaus. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildete zudem der Bericht „Insight & Impact: Hilfsmittel“, der in Kooperation mit der Vandage GmbH entwickelt wurde und datenbasierte Erkenntnisse für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Versorgung liefert.
Professor Dr. Greiner von der Universität Bielefeld betonte: „Die zugespitzte Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung erfordert neue Lösungen für die Gesundheitsversorgung in Deutschland. Investitionen in Nachhaltigkeitskonzepte können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Leistungsfähigkeit des Systems bei langfristiger Finanzierbarkeit zu erhalten. Im Hilfsmittelbereich kann beispielsweise die Aufnahme von Nachhaltigkeitsindikatoren in Verträgen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern helfen, gleichzeitig ökologische, ökonomische und soziale Ziele zu erreichen.“
Kreislaufwirtschaft trifft Versorgungssicherheit
Ein Fokus lag auf der neuen GWQ-Vertragsentwicklung, bei der Nachhaltigkeit erstmals verbindlich in Hilfsmittelverträge integriert wird. Ein Novum innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung, so die GWQ. Der innovative Ansatz bestehe darin, dass Hersteller, Leistungserbringer und Krankenkassen sich gemeinsam zu ressourcenschonendem Wirtschaften und zur aktiven Mitgestaltung von Rückführungs- und Refurbishment-Prozessen verpflichten. „Ein refurbishtes Pflegebett verursacht nur rund ein Fünftel der CO₂-Emissionen im Vergleich zur Neuproduktion. Und das bei gleichbleibend hoher Qualität“, erläuterte Oliver Harks, Deputy CEO der GWQ Serviceplus AG.
Diese neue Vertragsstruktur diene als wegweisendes Modell für weitere Produktgruppen. Nachhaltigkeit werde nicht als Zusatz verstanden, sondern als integraler Bestandteil einer modernen, zukunftsfähigen Versorgung.
Michael Zwick, Geschäftsführer der Hermann Bock GmbH, erläuterte, welche Bedeutung der Refurbishment-Prozess auf ein mittelständisches Unternehmen und dessen Zukunftsfähigkeit habe: „Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht Verzicht, sondern Verantwortung. Mit Refurbishment zeigen wir, dass hochwertige medizinische Hilfsmittel ressourcenschonend und wirtschaftlich zugleich sein können.“
In der Q&A-Session wurde deutlich, dass die Transformation nur gelingt, wenn Krankenkassen, Hersteller und Leistungserbringer an einem Strang ziehen. Der zukunftsweisende GWQ-Vertrag sei in enger Kooperation mit vertrauensvollen Partnern entwickelt worden und setze auch ökonomisch neue Impulse. Denn: Nach einer Anschubfinanzierung könnten perspektivisch nicht nur CO₂-Emissionen, sondern auch Kosten gesenkt werden.