GP: Haben Sie auf den kommenden Messen einen gemeinsamen Infostand?
Zwick: Wir reden alle mit unseren Ansprechpartnern, aber ein gemeinsamer Auftritt ist erst einmal nicht geplant. Die ersten Betten sind jetzt auf dem Weg zurück zu Luttermann. Die gehen jetzt in den Einsatz, und dann fangen wir mit der Kommunikation an.
Bitters: Wir hatten letztes Jahr auf der Rehacare das Projekt gemeinsam vorgestellt.
GP: Inwieweit hat der Vertrag Vorbildcharakter für andere Versorgung?
Bitters: Wir sind selbst positiv überrascht, welche Resonanz der erste Vertrag ausgelöst hat. Zahlreiche Unternehmen kommen inzwischen aktiv auf uns zu und stellen uns ihre eigenen Nachhaltigkeitsprojekte vor. Natürlich ist noch nicht alles sofort „vertragsreif“, aber es ist sehr spannend zu sehen, wie viel Bewegung in diesem Bereich entsteht. Fakt ist: Das Vertragsmodell ist skalierbar und grundsätzlich auch auf andere Produktgruppen übertragbar. Wir werfen daher bereits erste Blicke auf weitere Produkte, bei denen ein ähnlicher Ansatz sinnvoll sein könnte.
Zwick: Wir treffen uns seit anderthalb Jahren etwa alle sechs Monate mit fünf europäischen Rollstuhlherstellern, die sich auch mit diesen Gedanken befassen. Wir versuchen, fachübergreifend zusammenzuarbeiten und Standards für eine grüne Strategie zu entwickeln.
Lemke: Das Thema Nachhaltigkeit diskutieren wir seit Jahren mit unseren Industriepartnern. Aber den entscheidenden Durchbruch hat man bisher noch nicht hinbekommen. Dafür braucht man wohl diese Dreierbeziehung aus Kasse, Hersteller und Leistungserbringer. Das zeigt dieses Projekt.
Bitters: Ich fand daher den Austausch untereinander sehr befruchtend. Man versteht die Prozessabläufe auf den anderen Seiten besser. Wenn wir Anforderungen an Produkte stellen, dann wirkt sich das auch auf die Leistungserbringer aus. Um das zu verstehen und vertraglich zu berücksichtigen, muss man gemeinsam darüber sprechen und gemeinsam in die Verantwortung gehen.
Lemke: Ich glaube, es ist wichtig, so ein Innovationsprojekt anzustoßen, auch wenn die Umsetzung natürlich offen ist. Wir glauben schon, dass das Ganze funktionieren wird, aber wir wissen es erst, wenn wir es ausprobieren. Vielleicht können wir mit den Pflegebetten aufzeigen, wie eine nachhaltigere Hilfsmittelversorgung auch mit anderen Produkten funktionieren kann. Wir brauchen vielleicht andere Ansätze, aber wichtig ist, dass wir uns auf den Weg machen.
GP: Der Nachhaltigkeitsgedanke spielt im Gesundheitswesen bisher ja keine herausgehobene Rolle.
Lemke: Daher sind solche Leuchtturmprojekte, wie man Ökologie und Ökonomie zusammendenkt, enorm wichtig. In Zukunft wird dies einen Erfolgsfaktor darstellen.
Zwick: Wir verändern im Moment die Industrie. Das ist anstrengend, aber auch etwas Besonderes. Das hat man nicht so oft in der Karriere.