GP: Mit ihrem neuen Arbeitszeitmodell gehören Sie zu den Vorreitern in der Hilfsmittelbranche. Glauben Sie, dass andere Leistungserbringer nachziehen werden?
Louisa Herde: Wir leben von Fachkräften und stehen insbesondere im Bereich der Ausbildung oder Umschulung im Wettbewerb mit anderen Branchen. Nicht zuletzt erhoffen wir uns daher, mit der Maßnahme weitere Mitarbeitende für unser Unternehmen begeistern und gewinnen zu können. Als Spezialist für komplexe und individuelle Kinderversorgungen haben wir aus unserer Sicht bereits heute einen großen „USP“, weil wir extrem hohe Fachlichkeit mit eigens entwickelter Technologie und Handwerk verbinden, wie es in der Form und Konsequenz nur wenige andere Betriebe in unserer Branche tun. Mit einer zeitgemäßen Arbeitskultur als Fundament und einem menschen- und wertezentriertem Unternehmensbild kann man bei ORFO durchaus seinen ganz persönlichen Traumjob finden.
Moritz Herde: Wir sind davon überzeugt, dass unsere Maßnahmen Signalwirkung haben können. Wir würden uns freuen, wenn andere Unternehmen in unserer Branche inspiriert werden, ähnliche Schritte zu unternehmen, um das Wohlbefinden ihrer Teams zu fördern.
Man muss sich einfach trauen, neue Wege einzuschlagen. Wir testen den neuen Modus bis Ende des Jahres. Wenn wir alle gemeinsam mit anpacken und das Experiment gut geht, d.h. unsere Kundinnen und Kunden nach wie vor zufrieden sind, die Qualität sehr gut bleibt und unsere Zahlen stimmen, dann soll dieses neue Arbeitsmodell endgültig zum neuen Standard bei uns werden.
Die ersten Erfahrungen im August sprechen dafür, dass wir das Modell nächstes Jahr eins zu eins fortführen. Das überrascht mich aber nicht. Ich beschäftige mich seit Jahren bereits mit dem Thema. Und alle internationalen Untersuchungen bestätigen entgegen allen Zweiflern den positiven Effekt der 4-Tage-Woche auf den Unternehmenserfolg.
GP: Und wie halten Sie es persönlich mit der 4-Tage-Woche? Ich erreiche Sie im Urlaub…
Moritz Herde: Gute Frage. Im Urlaub sammle ich oft viele kreative Ideen, weil ich da Zeit habe die Seele baumeln zu lassen. Für mich ist das keine Arbeit, sondern mein Hobby. Aber ja, Sie haben recht, wir im Führungskreis müssen das auch üben und arbeiten daran, auch mehr Balance zu finden. Ich halte Sie gerne auf dem Laufenden, wie es sich entwickelt und welche Strategien wir für uns finden konnten.