Auf Augenhöhe
Doch nicht nur betriebswirtschaftlich macht Sanida für die Networcare-Betriebe Sinn, ist Frank Rogge überzeugt. Die Eigenmarke erlaube den Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit den Lieferanten auf ein neues Niveau zu heben. „Wir sprechen jetzt auch bei strategischen Themen miteinander auf Augenhöhe“, bringt Frank Rogge die Veränderung auf den Punkt. So würden die Erfahrungen der Praktiker im Sanitätshaus direkt in Forschung und Entwicklung der Produkte einfließen.
Zu den zentralen Bausteinen der Zusammenarbeit mit den Lieferanten gehört das strategische Produkt- und Beschaffungsmanagement (SPB) der Networcare. Ziel sei, mit so wenigen Lieferanten wie möglich zusammenzuarbeiten, erläutert Rogge. „Auf der Basis von betriebswirtschaftlichen Simulationen stellen wir für unsere Unternehmen einen auf die individuelle Vertragssituation zugeschnittenen Warenkorb zusammen.“ Voraussetzung dafür sei ein sortenreiner Artikelstamm. Von dieser Planung profitierten auch die Lieferanten, da man sich auf einen gemeinsamen Wachstumsplan und verbindliche Mengen verständigen könne. Nachdem die Lieferanten den Eigenmarkenplanungen der Networcare am Anfang „zögerlich“ begegnet seien, habe man für das Kompressionssortiment sogar mit mehreren Interessenten verhandeln können.
Doch Frank Rogge will ebenso, dass seine Unternehmen von den Lieferanten lernen. „Ich möchte wissen, wie die Lieferanten Märkte analysieren und ihren Vertrieb organisieren. Das Wort ,Vertrieb‘ nehmen wir alle schnell in den Mund. Doch warum versanden so viele Vertriebsprojekte im Sanitätsfachhandel? Warum herrscht häufig ein Vakuum zwischen der Geschäftsführung und den ausführenden Personen?“
Frank Rogge ist überzeugt, dass die Leistungserbringer den Vertrieb bei Ärzten und in Kliniken nicht den Lieferanten überlassen dürfen. Ansonsten drohe eine Entwicklung wie im Homecare-Markt, wo Lieferanten in der Wertschöpfungskette nach vorne integrieren und regionale inhabergeführte Leistungserbringer unter Druck geraten. „Wir müssen daher raus aus unserer Komfortzone und uns selbst um den Vertrieb kümmern.“ Das wirke sich auch auf die Kalkulation der Lieferanten für die Sanida-Produkte aus. Hier würden keine Vertriebsaufwendungen einfließen.