„Das ist kurios“
Im Jahr 2024 konstituierte sich die Arbeitsgruppe Hilfsmittel. Ihr gehören neben Uwe Strehlow u.a. Dennis Giesfeldt (VVHC), Thorben Vahle (BIV-OT), Maximilian Schneider vom Homecare-Dienstleister Naip oder Ruth Philipp von Gesund.de an. Ziel sei ein mit allen Nutzern abgestimmter Prozess, der die verschiedenen Blickwinkel berücksichtigt.
Auf das Pilotprojekt eVerordnung des BIV-OT angesprochen, antwortet Uwe Strehlow: „Die E-Rezept-Enthusiasten und der BIV-OT sprechen mit einer Stimme.“ Gleichwohl mache es Sinn, über mehrere Kanäle zu kommunizieren. Die E-Rezept-Enthusiasten seien im Gesundheitssystem gut vernetzt. Aufgrund seiner multiprofessionellen Ausrichtung und Mitgliederstruktur verstehe sich der Verein als „verbindendes Element zwischen den Akteuren“, erläutert Strehlow.
Dazu gehöre auch der Austausch mit den sieben Krankenkassen, die in einem gemeinsamen Projekt ebenfalls einen Prozess für die digitale Hilfsmittelverordnung entwickeln. Uwe Strehlow bewertet den dahinter liegenden Ansatz äußerst kritisch. Denn hier solle der Arzt zwar nicht den konkreten 10-Steller, aber zumindest einen 7-Steller verordnen – was die Versorgungsrealität schlicht nicht widerspiegele. „Der Arzt soll in unserer Welt arbeiten. Das ist kurios.“ Dafür würden Ärzte in vielen Fällen zu wenig über Hilfsmittel wissen. Schätzungen zufolge seien daher rund 30 Prozent der Rezepte vordergründig „inkorrekt“ ausgefüllt. Doch sie würden häufig sinnvollerweise erst nach Rücksprache des Orthopädietechnikers mit dem Arzt konkretisiert. „Dieses Hin und Her der Verordnung müssen wir digitalisieren und auf einer gemeinsamen Datenplattform abbilden.“
Damit aber nicht genug an Komplexität: Der Prozess muss zudem die je nach Produkt unterschiedlichen Wege der Verordnung ins Sanitätshaus abbilden. Uwe Strehlow nennt als Beispiel einen Patienten, der in der Notaufnahme im Krankenhaus Unterarmstützen bekomme. „Diesen Patienten haben wir nie gesehen. Aber eventuell kommt der gleiche Patient wenige Tage später mit einem Rezept für eine Bandage zu uns in die Filiale.“ Auf welch unterschiedlichen Wegen Verordnungen im Sanitätshaus ankommen, untersuche aktuell daher auch ein Projekt des BIV-OT.
Hinter der Ausgestaltung des von den Krankenkassen entwickelten Prozesses vermutet der Branchenexperte daher vor allem auch ein politisches Ziel: „Die Kostenträger wollten über den Umweg eRezept das Instrument der Ausschreibung wiederbeleben.“
Vor diesem Hintergrund müssten die Pilotprojekte von BIV-OT und ARGE harmonisiert werden. Dafür müsse das Bundesgesundheitsministerium einen Schiedsrichter bestellen, so Uwe Strehlow weiter. Den geplanten Start der eVerordnung Hilfsmittel zum 1. Juli 2027 bewertet er aufgrund dieser Herausforderungen als „extrem sportlich“.