Die Hertie School in Berlin und die Universität Bielefeld haben in Zusammenarbeit mit der Stiftung Gesundheitswissen eine Befragung zur professionellen Gesundheitskompetenz durchgeführt.
„Etwas vereinfacht gesagt, sind mit professioneller Gesundheitskompetenz die Fähigkeiten gemeint, die nötig sind, um die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu fördern. Bislang war wenig darüber bekannt, wie leicht oder schwer es Gesundheitsprofessionen fällt, sich auf dem aktuellen Wissensstand zu halten, Patientinnen und Patienten Informationen und Wissen verständlich zu vermitteln und dabei so zu kommunizieren, dass dies an deren Vorwissen und den Fähigkeiten anknüpft“, sagt Professorin Dr. Doris Schaeffer von der Universität Bielefeld. „Diese haben wir nun erstmals mit Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz und Österreich in einem neuen Konzept definiert und mit einem neu entwickelten Fragebogen bei Ärzten und Pflegefachpersonen untersucht.“
In der Onlinebefragung unter rund 300 Allgemeinmedizinern, hausärztlich tätigen Internisten sowie 600 Pflegefachpersonen wurden Fragen zu vier verschiedenen Aufgabenbereichen gestellt. „Menschen, die in Gesundheitsberufen arbeiten, haben unmittelbar Einfluss auf die Gesundheitskompetenz ihrer Patientinnen und Patienten“, erläutert PD Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen. „Deshalb ist es wichtig, sich damit zu befassen, wie sie deren Gesundheitskompetenz fördern können“, so Suhr.
Zentrale Aussagen auf einen Blick
Bereich Informations- und Wissensmanagement:
- Am schwersten fällt es beiden Gesundheitsprofessionen/-berufen, statistische Ergebnisse korrekt einzuordnen.
- An zweiter und dritter Stelle betrachten die Befragten die Einschätzung bzw. Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit von Fachinformationen und die Einordnung der wissenschaftlichen Basis als herausfordernd.
Bereich Informations- und Wissensvermittlung
- Die Aufgabe „Mit fehl- oder falschinformierten Patientinnen/Patienten umzugehen“ stellt sowohl für Ärztinnen und Ärzte als auch Pflegefachpersonen hier die größte Herausforderung dar.
- An zweiter Stelle folgt ebenfalls für beide Gesundheitsprofessionen/-berufe „einzuschätzen, inwieweit kulturelle Unterschiede das Verständnis erschweren“.
- An dritter Stelle stellt Ärztinnen und Ärzte vor Schwierigkeiten, „das Vorwissen von Patientinnen und Patienten einzuschätzen“. Für Pflegende steht an dieser Stelle „einzuschätzen, inwieweit Patientinnen und Patienten mit Informationen umgehen können“
Bereich patientenzentrierte Kommunikation
- Beide Gesundheitsprofessionen/-berufe bewerten diesen als den einfachsten Aufgabenbereich.
- Am schwersten fallt es Ärztinnen und Ärzten hier, gemeinsam „mit Patientinnen und Patienten Ziele festzulegen und das weitere Vorgehen zu entscheiden“.
- Bei den Pflegefachpersonen wird die Aufgabe „Patientinnen und Patienten Raum zu geben, um Fragen zu stellen“ als am schwierigsten bewertet.
Die Ergebnisse stehen allerdings nicht unbedingt im Einklang mit Resultaten bevölkerungsbasierter Studien: „Aus Befragungen wissen wir, dass Patientinnen und Patienten sich oft nicht ausreichend abgeholt, mitgenommen und in die Ziel- und Entscheidungsfindung einbezogen fühlen. Auch werden Ausführungen und Erklärungen nicht immer verstanden“, gibt Schaeffer zu bedenken. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass sich bei der Vielzahl an Konsultationen eine gewisse Routine bei der Kommunikation einstellt, die nicht notwendigerweise etwas über den Erfolg der Kommunikation aussagt.
Bereich professionelle digitale Gesundheitskompetenz
- Beide Gesundheitsprofessionen/-berufe nehmen diesen Aufgabenbereich als den schwierigsten wahr.
- Am schwierigsten schätzen beide Gruppen ein, „Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen, die Vertrauenswürdigkeit gefundener digitaler Gesundheitsinformationen zu beurteilen“, gefolgt davon, „Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen, die für sie relevanten digitalen Gesundheitsinformationen zu finden“.
Den kompletten Ergebnisbericht finden Sie hier.