In der diesjährigen Herbstumfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) zeigte sich die Medizintechnik-Branche von den Umsatzeinbrüchen im Corona-Krisenjahr 2020 leicht erholt. Nach einem Umsatzrückgang von 2,1 Prozent im Vorjahr erwartet die Branche in diesem Jahr in Deutschland ein Umsatzwachstum von 3,0 Prozent, weltweit von 3,1 Prozent. Das Vor-Corona-Niveau mit einem Wachstum von 4,2 Prozent im Inland und 5,8 Prozent weltweit ist noch lange nicht erreicht. Die Gewinnsituation der Unternehmen sei durch gestiegene Rohstoff- und Logistikkosten dagegen stark angespannt.
57 Prozent der befragten MedTech-Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit einem besseren Umsatzergebnis als im Vorjahr. Das ist eine leichte Erholung gegenüber dem ersten Corona-Krisenjahr, reicht aber noch nicht an die Werte vor der Corona-Pandemie von über 70 Prozent heran. Von einem Umsatzrückgang gehen dagegen ein Viertel der befragten Unternehmen aus. Bei über 11 Prozent sind die Rückgänge sogar im zweistelligen Bereich. „Das zeigt, dass einzelne Bereiche der MedTech-Branche noch immer sehr stark von der Coronakrise betroffen sind, beispielsweise im Bereich der elektiven Eingriffe“, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.
Trotz der schwierigen Bedingungen versuchen die befragten MedTech-Unternehmen, ihr Personal zu halten. Nur 10 Prozent der Unternehmen seien gezwungen, in diesem Jahr Arbeitsplätze abzubauen. 48 Prozent halten ihr Personal. 38 Prozent schaffen sogar zusätzliche Arbeitsplätze. Und auch die Berufsaussichten für Fachkräfte in der MedTech-Branche sind nach wie vor ausgezeichnet. Gesucht wird vor allem Fachpersonal aus den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Medizintechnik, Naturwissenschaften, Informatik und Pflege. Der mit Abstand größte Bremser der künftigen MedTech-Entwicklung bleibt nach der BVMed-Herbstumfrage die EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR).
„Markt wird Fahrt aufnehmen“
„Der Medizintechnik-Markt wird nach der Corona-Pandemie wieder Fahrt aufnehmen und auch in Zukunft ein weltweiter Wachstumsmarkt bleiben“, prognostiziert Möll im Vorfeld der medizinischen Leitmesse Medica und der Zuliefermesse Compamed vom 15. bis 18. November 2021 in Düsseldorf. „Die MedTech-Branche hat durch den medizintechnischen Fortschritt, den demografischen Wandel und das steigende Gesundheitsbewusstsein starke Wachstumsaussichten.“ Deutschland und Europa müssten aber aufpassen, bei Forschung und Translation in die Gesundheitsversorgung gegenüber den USA und China nicht den Anschluss zu verlieren. „Wir müssen den Medizintechnik-Standort Deutschland stärken, Überregulierung abbauen und unseren innovativen Mittelstand fördern. So kann MedTech ein starker Leitmarkt der Zukunft werden, der die Gesundheitsversorgung verbessert, das Gesundheitssystem effizienter macht sowie Wohlstand und Arbeitsplätze sichert“, so der deutsche MedTech-Verband.
In einem 5-Punkte-Papier zu den Koalitionsverhandlungen spricht sich der BVMed unter anderem für eine „Initiative MedTech 2030“, für eine DRG-Zukunftskommission sowie für eine bessere Nutzung der Gesundheitsdaten für die Forschung und Versorgung aus. Dann werde Deutschland in Zukunft eine wichtige Rolle auf dem Weltmarkt spielen.
Blick auf den Weltmarkt
Der Weltmarkt für Medizintechnologien beträgt rund 405 Milliarden US-Dollar. Deutschland liegt mit einem Anteil von 9,9 Prozent, nach den USA (38,8 Prozent) noch vor Japan und China an zweiter Stelle. Das englische Marktforschungsunternehmen „Evaluate MedTech“ prognostizierte im Herbst 2018 einen durchschnittlichen Anstieg des weltweiten Medizintechnik-Marktes um 5,6 Prozent von 405 Mrd. Dollar im Jahre 2017 über 445 Mrd. Dollar im Jahr 2019 auf 595 Mrd. Dollar im Jahre 2024 (www.bvmed.de/weltmarkt). „Dieses prognostizierte Wachstum ist durch die Corona-Pandemie ins Stocken geraten, wird aber in den nächsten Jahren wieder anziehen“, zeigt sich Möll überzeugt.