Verpasst die Sanitätshausbranche den Anschluss? Auf dem AAL-Kongress "Zukunft Lebensräume" Ende April in Frankfurt, der Kooperationen zwischen IKT-Dienstleistern, Herstellern medizintechnischer Technologien und der Wohnungswirtschaft anstoßen wollte, war die Sanitätshausbranche weder als Aussteller noch als Kongressbesucher vertreten. Dies kritisierte Unternehmensberater Thomas Bade, der als Referent das Datenmanagement technischer Assistenzsysteme im häuslichen Umfeld präsentierte.
"Man tut sich sehr schwer, den Verantwortlichen Medizintechnik und technische Assistenzsysteme im Kontext eines ganzheitlichen Versorgungsprozesses darzustellen, wenn Fachbetriebe und -verbände auf diesen Kongressen fehlen und die Handwerkskammern Schreiner und Maurer platzieren." Die Handwerkskammer für Oberfranken etwa positionierte auf einer Veranstaltung in München das Handwerk als integrierten Berater, Planer und Installateur im Geschäftsfeld Ambient Assisted Living (AAL) – ohne den Sanitätsfachhandel. Auch bei dem Forum "Marktplatz der Generationen" wird die Rolle des Handwerks bei Verbreitung und Realisierung von AAL-Produkten ausführlich erörtert. Die Sanitätshausbranche blieb hier ebenso außen vor. Als zentrale AAL-Mittler wurden laut Bade dagegen Maurer, Elektrotechniker, IT-Techniker und Schreiner genannt.
Sanitätshäuser sollen neue Lösungen für alternde Gesellschaft bieten
Für die Sanitätshäuser müsste klar sein, dass künftig neue Produkte und Dienstleistungen benötigt werden, um Lösungen für die alternde Gesellschaft und deren Folgen zu bieten, so Bade weiter. Vorbildcharakter hat für ihn der Ansatz der Unternehmensgruppe "Ihre Gesundheitsprofis (IGP)" mit Tiago da Silva, die auf dem AAL-Kongress gemeinsam mit IBM moderne Informations- und Kommunikationstechnik-Dienste (IKT) sowie einrichtungsübergreifende Geschäftsprozesse vorstellte. Mit dem Projekt "Ermündigung" und einer Musterwohnung in Berlin für AAL-Technologien will sie Maßstäbe setzen, um Systemlösungen im medizintechnischen und pflegerischen Bereich anzubieten. Tiago da Silva hat ein alters- und behindertengerechtes Angebot geschaffen, das von Konsumenten weder als entmündigender Eingriff in ihre Autonomie noch als stigmatisierende Betonung ihrer Gebrechen wahrgenommen werde.Wohnkonzepte entwickeln
Bades Appell lautet: Sanitätshäuser müssen zukünftig Wohnkonzepte für pflege- und betreuungsbedürftige Menschen weiterentwickeln und umsetzen, die Nutzern ein weitgehend selbstbestimmtes Wohnen bei gleichzeitiger Versorgungssicherheit ermöglichen. Gleichzeitig sollen die Lösungen den Anforderungen an Nutzerorientierung, Qualität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gerecht werden. Marktpotenziale lassen sich allerdings nicht automatisch abschöpfen, sondern erfordern neue Beratungskonzepte und Veränderungen in der Branchenstruktur. Neue Technologie-Infrastrukturen werden nicht nur den Wettbewerb in der Branche, sondern vor allem die Branche an sich neu definieren.