Für rund 75 Millionen Menschen in Deutschland ist die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die tragende Säule der Gesundheitsversorgung. Dass dieses System auch im öffentlichen Bewusstsein stark verankert ist, belegt eine aktuelle Umfrage des GKV-Spitzenverbands: 80 Prozent der Befragten sehen die GKV als unverzichtbaren Bestandteil des Sozialstaats.
Besonders das Solidarprinzip findet breite Zustimmung: 73 Prozent unterstützen die einkommensabhängige Beitragsgestaltung, ebenso viele befürworten die solidarische Gesundheitsversorgung unabhängig von Alter oder Vorerkrankung. Die beitragsfreie Familienversicherung erhält mit 78 Prozent sogar noch höhere Zustimmung. Auch der Verzicht auf Gewinnorientierung überzeugt – vier von fünf Befragten begrüßen, dass keine Ausschüttungen an Investoren erfolgen.
„Der Solidarausgleich zwischen Gesunden und Kranken, zwischen höheren und niedrigeren Einkommen sowie zwischen den Generationen ist der Kern der gesetzlichen Krankenversicherung mit ihren 75 Millionen Versicherten und macht sie zu einem tragenden Element des deutschen Sozialstaats. Die Umfrage zeigt deutlich, wie sehr dieses hohe Gut in der Bevölkerung geschätzt wird, und das bestärkt uns, auf Basis dieser grundlegenden Prinzipien unser Versorgungssystem weiterzuentwickeln“, erklärt Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes.
Finanzdruck wächst: GKV-Spitzenverband klagt gegen Bund
Gleichzeitig offenbart die Umfrage eine wachsende Sorge um die finanzielle Stabilität der GKV. Zwei Drittel der Befragten äußern große oder sehr große Bedenken hinsichtlich der Finanzlage. 39 Prozent halten tiefgreifende Veränderungen für notwendig.
Ein zentrales Problem ist dabei die Unterfinanzierung bei der Versorgung von Bürgergeldempfängern. Der Bund kommt seiner gesetzlichen Verpflichtung nicht vollständig nach – rund zehn Milliarden Euro jährlich fehlen im System.
Die Folge: Der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands hat im September 2025 beschlossen, juristische Schritte einzuleiten. Mittlerweile wurden die ersten Klagen eingereicht. „Die Klagewelle rollt“, heißt es aus dem Verband. Ziel sei es, die langfristige Stabilität der GKV zu sichern und politischen Fehlanreizen entgegenzuwirken.
Durchgeführt wurde die bundesweite Onlinebefragung vom Institut Essentiq im Auftrag des GKV-Spitzenverbands. Befragt wurden im Zeitraum September bis Oktober 2025 insgesamt 2.000 Personen ab 18 Jahren.