Die Lungenembolie ist eine der häufigsten tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Jährlich sterben alleine in Deutschland über 40.000 Menschen an ihren Folgen. Häufigste Ursache sei eine Thrombose, teilt der BVMed anlässlich des Welt-Thrombose-Tags am 13. Oktober mit. Die BVMed-Experten im Fachbereich Mechanische Thrombosepropyhlaxe (FBMT) unterstützen daher die aktuelle Kampagne „Pro & Contra moderner Thrombose-Therapien!“ des Aktionsbündnisses Thrombose. Eine wichtige Entscheidungshilfe werde in Zukunft die S3-Leitlinie „Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)“ der medizinischen Fachgesellschaften sein. Der BVMed-Fachbereich weist auf die Notwendigkeit hin, bei ihrer Aktualisierung Evidenz heranzuziehen. „Die Ergebnisse des Cochrane-Reviews zeigen beispielsweise die Wirksamkeit von medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (MTPS) bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten zur Verhinderung von tiefen Venenthrombosen (TVT). Das muss in der Leitlinie einbezogen werden“, erklärt Juliane Pohl vom BVMed.
Die Ergebnisse des Cochrane Reviews (2019) dokumentieren eine höhere Inzidenz tiefer Venenthrombosen (TVT) bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten, wenn eine Behandlung ohne medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS) durchgeführt wird, so der BVMed. Nach Auskunft des deutschen MedTech-Verbandes wurde die Veröffentlichung der aktualisierten S3-Leitlinie „Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) auf Ende 2024 verschoben. Die BVMed-Experten halten das für sinnvoll, sodass Evidenz der mechanischen Thromboseprophylaxe, wie die genannte Cochrane Review, herangezogen werden könne. Auch in der im Mai 2021 aktualisierten S2e Leitlinie zur „Akuttherapie des ischämischen Hirninfarktes“ sollte (Empfehlungsgrad B) zur Thromboseprophylaxe bei immobilen Patientinnen und Patienten mit Hirninfarkt die intermittierende pneumatische Kompression angewendet werden.
Thrombosepropyhlaxe: Maßnahmen kombinieren
Neben der medikamentösen Thromboseprophylaxe seien es vor allem die physikalischen Maßnahmen, die bei richtiger Anwendung nahezu nebenwirkungsfrei dazu beitragen, thromboembolische Komplikationen zu verhindern. Beispielsweise erhöhten medizinische Thromboseprophylaxe-Strümpfe die venöse Rückstromgeschwindigkeit und sorgten so in Kombination mit Arzneimitteln für einen optimierten Schutz vor einer Thromboembolie.
Eine weitere Möglichkeit, immobile Patientinnen und Patienten während und nach einer Operation vor thromboembolischen Komplikationen zu schützen, ist die intermittierende pneumatische Kompression. Sie könne entweder ergänzend oder alternativ in all den Fällen eingesetzt werden, in denen eine medikamentöse Prophylaxe ausgeschlossen ist oder aufgrund des Blutungsrisikos nicht oder nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden kann. Aufgrund aktueller Studienergebnisse findet die intermittierende pneumatische Kompression immer häufiger auch in den Leitlinien der verschiedenen Fachgesellschaften Berücksichtigung.
„Die physikalische Prophylaxe stellt eine der drei wesentlichen Säulen zur Verhinderung venöser Thrombosen und deren Folgen, wie dem postthrombotischen Syndrom oder der Lungenembolie, dar“, so der BVMed. „Ausschließlich pharmakologische Maßnahmen reichen nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht aus. Wenn möglich, sollten physikalische und pharmakologische Maßnahmen sinnvoll miteinander kombiniert werden.“