Die Eurocom hat ein neues Positionspapier zur Digitalisierung in der Hilfsmittelversorgung vorgelegt. Darin analysiert der Branchenverband zentrale Herausforderungen und formuliert konkrete Handlungsempfehlungen für Politik, Krankenkassen und Leistungserbringer. Hintergrund sind zunehmender Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an eine effiziente Versorgung.
Laut Eurocom fehlt es bislang in den Bereichen eVerordnung, Telematikinfrastruktur oder digitale Anwendungen an einem konsistenten Gesamtkonzept. Das Papier beschreibt daher einen durchgängigen digitalen Prozess. „Priorisierung ist bei solch komplexen Vorhaben unvermeidbar. Wichtig ist die Einhaltung festgelegter Termine und Transparenz der Priorisierung, damit alle Akteure Planungssicherheit haben“, betont Oda Hagemeier, Geschäftsführerin der Eurocom.
Kritisch sieht der Verband insbesondere Verzögerungen bei der Einführung der verpflichtenden eVerordnung für Hilfsmittel, die zuletzt auf Juli 2030 verschoben wurde. Ohne eine konsequente Digitalisierung drohten weiterhin ineffiziente Parallelstrukturen aus analogen und digitalen Verfahren.
Digitale Prozesse und Datenzugang im Fokus
Ein zentrales Anliegen der Eurocom ist ein medienbruchfreier Versorgungsprozess. Dafür fordert der Verband unter anderem erweiterte Zugriffsrechte für Leistungserbringer in der elektronischen Patientenakte sowie eine bessere Einbindung in die Telematikinfrastruktur. „Die Hilfsmittelversorgung leistet enorm viel und kostet wenig. Angesichts des massiven Fachkräftemangels im Sanitätsfachhandel und in den Kliniken können wir es uns schlicht nicht mehr leisten, wertvolle Zeit mit analoger Bürokratie zu verschwenden. Ein durchgängig digitaler Versorgungsprozess ist kein Luxus, sondern die Grundvoraussetzung, um Patientinnen und Patienten auch in Zukunft schnell und zielgerichtet zu versorgen. Wir brauchen jetzt den politischen Mut für echte Neuerungen.”
Darüber hinaus hebt das Positionspapier die Bedeutung digitaler Innovationen hervor. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) sollten nach Auffassung der eurocom unbürokratisch in die Versorgung integriert werden. Auch sogenannte „Connected Devices“, die per Sensorik Therapieverläufe unterstützen, bieten laut Verband großes Potenzial. Voraussetzung dafür sei jedoch ein geregelter Zugang zu anonymisierten Versorgungsdaten, etwa im Rahmen des European Health Data Space. „Ob digitale Gebrauchsanweisungen per QR-Code oder KI-gestützte Genehmigungsverfahren bei den Krankenkassen – die technologischen Lösungen liegen bereits vor. Der Gesetzgeber muss nun verlässliche, interoperable Standards setzen und bestehende Hürden konsequent abbauen. Nur wenn wir Hilfsmittel und digitale Anwendungen zusammen denken, schaffen wir ein zukunftsfähiges und modernes Gesundheitssystem.“