Aus Sicht der Herstellervereinigung Eurocom greift die Suggestion des Berichts, steigende Mehrkosten seien auf eine unzureichende Beratung oder das Drängen zu übermäßigen Versorgungen zurückzuführen, zu kurz. Vielmehr spiegeln die Zahlen eine zunehmende Diskrepanz zwischen den seit Jahren eingefrorenen Festbeträgen und der tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklung wider.
Nahezu unverändert erhielten die Versicherten 78 Prozent aller Hilfsmittel mehrkostenfrei. Geschäftsführerin Oda Hagemeier sagt: „Dies sehen wir als ein positives Signal. Ein Großteil der Patientinnen und Patienten ist offensichtlich mit der Hilfsmittelversorgung nach dem Sachleistungsprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung, die sich an den im Hilfsmittelverzeichnis formulierten qualitativen Mindestanforderungen orientiert, zufrieden.“
Ursachenanalyse fehlt
Die Eurocom gibt zu bedenken, dass der Bericht seiner gesetzlich verankerten Aufgabe nach Transparenz über die finanzielle Belastung der gesetzlich Krankenversicherten zu schaffen, nur unvollständig nachkommt, indem er die Zahlen weder kontextualisiert noch einer Ursachenanalyse unterzieht. Die Darstellung, dass Zuzahlungen der Patienten vor allem auf „ungerechtfertigten Mehrkosten“ für bloßen Komfort beruhten, bilde die Realität nicht umfassend ab. „Die Annahme, Patienten würden unzureichend über ihren Leistungsanspruch beraten oder zu teureren Produkten gedrängt, führt zu falschen Weichenstellungen“, erklärt Oda Hagemeier. „Anstelle von neuen Dokumentationspflichten und zusätzlicher Bürokratie, die wertvolle Zeit für die eigentliche Patientenversorgung rauben, benötigt das System eine sachliche Analyse der Erstattungspreise und der tatsächlichen Marktpreisentwicklungen. Patienten sind mündige Bürger, die bewusste Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen.“
Der Bericht lasse unberücksichtigt, dass eine qualitativ hochwertige Hilfsmittelversorgung und die individuellen Bedürfnisse der Patienten maßgeblich für den Therapieerfolg sind. Dabei verweist die Eurocom ihre Allensbach-Umfrage: Passform, Hautverträglichkeit und Tragekomfort entscheiden demnach darüber, ob ein Hilfsmittel konsequent genutzt wird.
Ökonomische Gründe
Dass die von den Versicherten getragenen Mehrkosten auf 1,13 Mrd. Euro gestiegen sind, habe ökonomische Gründe. „Die Festbeträge sowohl für Einlagen als auch für medizinische Kompressionsstrümpfe sind seit dem Jahr 2020 unverändert“, erläutert Hagemeier. „In den vergangenen sechs Jahren wurden kostensteigende Faktoren wie Inflation, Energiepreise, Logistikkosten und Tarifsteigerungen nicht im Festbetragssystem abgebildet. Wenn der Erstattungsanteil der Kassen stagniert, wächst zwangsläufig die Schere zu den realen Produktionskosten der Hersteller sowie zu den Kosten für handwerkliche Zurichtung und Dienstleistungen des Fachhandels. Diese Entwicklung darf nicht den Patienten angelastet werden. Hier besteht politischer Handlungsbedarf für eine dynamische Anpassung der Festbeträge.“