Im Mittelpunkt der Behandlung von Brustkrebs steht die Entfernung des Tumors. Noch vor einigen Jahren bedeutete das für die Frauen, dass die betroffene Brust chirurgisch entfernt werden musste. Das ist heutzutage nicht mehr zwangsläufig der Fall. Bei rund 70% der an Brustkrebs erkrankten Frauen wird brusterhaltend operiert. "Nicht bei allen Frauen können wir hingegen die Brust erhalten", erläutert Professor Dr. Karsten Münstedt, Chefarzt Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie am Klinikum Offenburg. "Bei großen Tumoren, wenn mehrere Tumore in der Brust gefunden werden oder wenn die nach einer brusterhaltenden Operation obligatorische Strahlentherapie nicht möglich ist, müssen wir nach wie vor die gesamte Brust entfernen."
Die Folgen: "Frauen, denen eine Brust entfernt wurde, fühlen sich aufgrund des veränderten Erscheinungsbildes oft nicht wohl und büßen dadurch an Lebensqualität ein. Außerdem führt der Gewichtsunterschied häufig zu Fehl- und Schonhaltungen, was wiederum Verspannungen in Nacken, Schultern und Rücken zur Folge haben kann. Das betrifft auch Frauen, bei denen die Brüste nach einer brusterhaltenden Operation unterschiedlich groß sind." Brustprothesen und -ausgleichteile sind für die betroffenen Frauen eine wichtige Unterstützung.
Bei sechs von 100 Frauen entwickelt sich im Zusammenhang mit der Brustkrebstherapie nach der Entfernung des Wächterlymphknotens ein Lymphödem am Arm. Ist es notwendig, mehrere Lymphknoten in der Achselhöhle zu entfernen, tritt sogar bei bis zu 20 von 100 Frauen ein Lymphödem auf. Auch bei der Strahlentherapie kann es zu einer Schädigung der Lymphbahnen und einem anschließenden Lymphödem kommen. Bei einem Lymphödem schwillt die betroffene Extremität an, die Haut fühlt sich warm und angespannt an, die Bewegung ist eingeschränkt. Ziel der Therapie des Lymphödems ist es, den Abfluss der gestauten Lymphe sicherzustellen. Dies gelingt mit einer Kombination aus Lymphdrainage, Bewegungsübungen und insbesondere der Kompressionstherapie. Medizinische Kompressionsstrümpfe üben von außen Druck auf das Gewebe und die Muskulatur aus. Dadurch werden der Rückfluss der Lymphe aus dem Gewebe in die Lymphgefäße und die Venen unterstützt. Das entstandene Ödem verringert sich, einem erneuten Anschwellen wird wirkungsvoll vorgebeugt. "Wird ein Lymphödem nicht adäquat behandelt, kann sich im schlimmsten Fall eine Elefantiasis entwickeln", betont Dr. Ernst Pohlen, Geschäftsführer von Eurocom.
Gute Akzeptanz von Hilfsmitteln
Eine repräsentative Patientenumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Eurocom habe ergeben, dass die Nutzer von medizinischen Hilfsmitteln überwiegend zufrieden mit ihrer Therapie sind. So gewinnen acht von zehn Patienten, die medizinische Kompressionsstrümpfe tragen, an Lebensqualität.