Rund 80 Prozent der Hilfsmittel in der gesetzlichen Krankenversicherung sind mehrkostenfrei. Bei etwa 20 Prozent zahlen Versicherte im Schnitt 142 Euro dazu. Das zeigt der aktuelle, fünfte Mehrkostenbericht des GKV-Spitzenverbandes für das Jahr 2022. Die durchschnittlichen Mehrkosten sind im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent gestiegen.
Gernot Kiefer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes: „Der fünfte Mehrkostenbericht bestätigt einen längerfristigen und erfreulichen Trend: Vier von fünf gesetzlich Versicherten bekommen ihre Hilfsmittel mehrkostenfrei. Darüber hinaus sind auch die durchschnittlichen Mehrkosten – entgegen den allgemeinen Preissteigerungen – nur gering gestiegen und in vielen Bereichen stabil geblieben.“
Datenauswertung bringt wichtige Transparenz in Mehrkosten
Mehrkosten zahlen die Versicherten, anders als die gesetzliche Zuzahlung, freiwillig. Mit dem fünften Mehrkostenbericht liegt nun laut dem GKV-Spitzenverband eine umfassende Auswertung von rund 95 Prozent der Abrechnungsdaten vor: Konkret wurden fast 30 Millionen Hilfsmittelversorgungen mit einem Ausgabevolumen von rund 10 Milliarden Euro für das Jahr 2022 analysiert.
Der Bericht zeigt: Versicherte haben bei insgesamt rund 6,3 Millionen und somit gut 20 Prozent aller Hilfsmittelversorgungen Mehrkosten gezahlt. Die Summe aller Mehrkosten betrug etwa 887 Millionen Euro. Die durchschnittliche Höhe lag bei 141,66 Euro, die allerdings über alle Produktgruppen hinweg eine große Spanne umfasst. So liegen die Mehrkosten für manche Hilfsmittel im niedrigen zweistelligen Bereich, während sie bei Hörhilfen, die nach wie vor auf Platz Eins stehen, mit gut 1404 Euro vierstellig sind – Hörhilfen werden allerdings auch über mehrere Jahre genutzt und es sind Modelle mit umfangreichen technischen Zusatzfunktionen auf dem Markt.
Mehrkostenversorgung: Mehr Transparenz nötig
Leistungserbringende sind gesetzlich verpflichtet, über Mehrkosten zu beraten. Damit Versicherte von den Leistungserbringern nicht zu teureren, übermäßigen Versorgungen gedrängt oder unzureichend über ihren Leistungsanspruch beraten werden, ist jedoch mehr Transparenz über die Gründe erforderlich, warum die Versicherten eine Mehrkostenversorgung gewählt haben. Hierzu fehlen dem GKV-Spitzenverband weiterhin qualitative Daten, für die es gegenwärtig keine gesetzliche Grundlage gibt. Noch in diesem Jahr will das Bundesgesundheitsministerium Grundzüge einer Reform der Hilfsmittelversorgung erarbeiten. Der GKV-Spitzenverband wird sich vor diesem Hintergrund für gesetzliche Regelungen stark machen, die Versicherte noch wirksamer vor ungerechtfertigten Mehrkosten schützen.
Hier finden Sie den Mehrkostenbericht des vergangenen Jahres.