Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben Anspruch auf eine medizinisch notwendige und wirtschaftliche Versorgung mit Hilfsmitteln – etwa mit Hörhilfen, Gehhilfen oder Bandagen – ohne zusätzliche Kosten. Dennoch wählen rund 22 Prozent der Versicherten eine Versorgung mit sogenannten Mehrkosten, etwa aus Komfort- oder Designgründen. Diese müssen sie selbst tragen.
Der aktuelle Mehrkostenbericht des GKV-Spitzenverbandes, der auf Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2024 basiert, zeigt: In etwa 7 Millionen Fällen wurden Hilfsmittel mit Mehrkosten gewählt. Die durchschnittliche Aufzahlung lag bei 148,70 Euro – ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2023 (149,48 Euro). Die Summe aller Mehrkosten belief sich auf rund 1,04 Milliarden Euro. Insgesamt wurden 31,75 Millionen Hilfsmittelversorgungen mit einem Ausgabevolumen von 11,5 Milliarden Euro analysiert.
„Unser Mehrkostenbericht zeigt, dass gut 80 Prozent der GKV-Hilfsmittelversorgungen mehrkostenfrei erfolgen. Für die verbleibenden 20 Prozent zahlen GKV-Versicherte im Durchschnitt rund 149 Euro aus eigener Tasche. Bringen diese Mehrkosten aber auch eine bessere Versorgung?“, so Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes.
Mehr Transparenz soll Versicherte besser schützen
Obwohl Leistungserbringende gesetzlich verpflichtet sind, vorrangig eine mehrkostenfreie Versorgung anzubieten, fordert der GKV-Spitzenverband mehr Transparenz über die Gründe, weshalb sich Versicherte dennoch für eine Versorgung mit Mehrkosten entscheiden. Derzeit fehlen den Kassen qualitative Daten, um die Entscheidungsgründe der Versicherten nachvollziehen zu können.
„Die Gründe kennen gesetzliche Krankenkassen leider nicht. Das muss sich unbedingt ändern! Denn nur wenn wir die Gründe kennen, weshalb sich Versicherte für Hilfsmittel mit Mehrkosten entscheiden, können wir einschätzen, ob es sich um die bewusste Entscheidung für eine Leistung handelt, die über den gesetzlichen Rahmen hinausgeht, oder ob es ggf. andere Gründe gibt. Erst wenn wir das wissen, können unsere Versicherten besser vor ungerechtfertigten Mehrkosten geschützt werden. Wir fordern den Gesetzgeber daher auf, endlich eine gesetzliche Meldepflicht für die Gründe von Mehrkosten festzulegen“, erklärt Blatt.
Bereits 2023 hat der GKV-Spitzenverband ein Positionspapier mit sechs zentralen Forderungen zur qualitätsgesicherten Hilfsmittelversorgung veröffentlicht. Darin enthalten ist auch die Forderung nach einer gesetzlichen Grundlage zur Erfassung der Mehrkostenmotive – mit dem Ziel, Versicherte noch gezielter vor übermäßigen finanziellen Belastungen zu schützen.