„80 Prozent der Hilfsmittel erhalten GKV-Versicherte mehrkostenfrei, das belegt erneut der sechste Mehrkostenbericht“, so Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes. „Der Datenabgleich der letzten sechs Jahre hat für mehr Transparenz gesorgt: Im Berichtsjahr 2023 zahlten GKV-Versicherte durchschnittlich 149 Euro an Mehrkosten aus der eigenen Tasche. Aber sind diese Mehrkosten auch gerechtfertigt und bringen eine bessere Versorgung? Erst, wenn die Krankenkassen auch die Gründe dafür kennen, ist es möglich, Versicherte noch besser vor ungerechtfertigten Mehrkosten zu schützen. Hier sollte der Gesetzgeber endlich tätig werden und eine gesetzliche Meldepflicht für Gründe von Mehrkosten festlegen.“
Für den sechsten Mehrkostenbericht mit den Daten aus dem Jahr 2023 wurden fast 32 Millionen Hilfsmittelversorgungen (30 Millionen/2022) mit einem Ausgabevolumen von rund 11 Mrd. Euro (10 Mrd. Euro/2022) analysiert. Erneut bestätigt die Datenanalyse, dass auch im Jahr 2023 GKV-Versicherte rund 80 Prozent der Hilfsmittel regelhaft mehrkostenfrei bezogen haben. Bei rund 6,6 Millionen (etwa 20 Prozent) haben Versicherte eine Hilfsmittelversorgung mit Mehrkosten gewählt. Die Summe aller Mehrkosten betrug etwa 982 Millionen Euro. Bei diesen etwa 20 Prozent der Versorgungen zahlten Versicherte im Schnitt 149 Euro (142 Euro/2022) dazu. Damit sind die durchschnittlichen Mehrkosten je Versicherten im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent (4,4 Prozent/2022) gestiegen.
Mehrkosten im gesundheitshandwerklichen Bereich
Die Datenauswertung zeigt, dass die meisten Fälle mit hohen durchschnittlichen Mehrkosten im gesundheitshandwerklichen Bereich wie Hörakustik oder Orthopädie zu finden sind. So entschieden sich GKV-Versicherte im Jahr 2023 etwa bei orthopädischen Einlagen in rund 55 Prozent der Fälle für Versorgungen mit Mehrkosten. Einlagen rangieren beim Anteil der Mehrkostenfälle durchgängig an vorderer Stelle, zudem sind bei Einlagen im Mehrjahresverlauf sowohl die GKV-Ausgaben insgesamt als auch die Leistungsausgaben je Versorgungsfall laut GKV-Spitzenverband deutlich gestiegen.
Dagegen spielten Mehrkosten in anderen Teilmärkten der Hilfsmittelversorgung, wie der Rehatechnik, der medizintechnischen Versorgung und im Homecare-Bereich, insgesamt eine eher geringe Rolle.
Krankenkassen sollten erfahren, warum Versicherte Hilfsmittel auswählen, die von der Regelversorgung abweichen und somit zu zusätzlichen Kosten führen. Hierzu fehlten dem GKV-Spitzenverband nach wie vor qualitative Daten, für die es gegenwärtig noch keine gesetzliche Grundlage gibt. Seit einem Jahr wolle das Bundesgesundheitsministerium eine Reform der Hilfsmittelversorgung anstoßen, konkrete Reformvorschläge stünden weiterhin aus, so der GKV-Spitzenverband.
Den 6. Mehrkostenbericht finden Sie hier zum Download.