Wie beurteilten Sie das Gemeinschaftsprojekt der Krankenkassen „eGesundheit Deutschland“ als parallele Struktur zum Pilotprojekt des BIV-OT, an dem auch Opta Data beteiligt ist?
Helmig: Zunächst ist es natürlich erfreulich, dass die Krankenkassen das Thema eVerordnung als relevant für sich definiert haben. Die Herausforderung besteht, eben keine Parallelstrukturen entstehen zu lassen, sondern dass beide Projekte eng abgestimmte Vorschläge in Richtung Gematik formulieren. Beide Projekte stehen im Austausch miteinander. Die Ansätze sind derzeit schon noch unterschiedlich. Am Ende muss dafür gesorgt werden, dass es einen ausgeglichenen Prozess für alle Beteiligten gibt und der Versicherte am Ende eine gute Versorgung erfährt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für alle Player, ihre Interessen gemeinsam zugunsten eines guten Prozesses abzustimmen.
Kommen wir kurz auf das Thema Künstliche Intelligenz zu sprechen: Stellt sie eine Chance oder eine Gefahr für die Telematik-Infrastruktur und das Gesundheitswesen dar?
Helmig: Wir stehen gerade am Anfang der KI-Revolution im Gesundheitswesen und sie stellt gerade für den deutschen Markt eine wahnsinnige Chance dar. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten bei der therapeutischen Darstellung, bei der Bildgebung, bei der unmittelbaren Unterstützung für Therapien. Ein zweites großes Anwendungsfeld, in dem wir als Opta Data primär unterwegs sind, besteht in Ansätzen zur Automatisierung. Insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels können durch den gezielten Einsatz von KI Freiräume geschaffen werden, die die Leistungserbringer unbedingt brauchen. Damit entkräftigt sich auch das Schreckensbild, die KI würde Jobs wegrationalisieren. Wir sehen ja heute durchaus genau das umgekehrte Bild, dass wir zu wenige Kollegen und Kolleginnen im Bereich Hilfsmittel oder in der Pflege haben. Ich sehe KI als klare Chance unter der Maßgabe, dass wir das clever machen. Wir brauchen klare Regeln, welche Tools für was angewendet werden dürfen. Wir haben bei der EU durch den EU AI-Act schon erste regulatorische Rahmenbedingungen erhalten und die nehmen wir als Opta Data auch sehr ernst, weil es uns wichtig ist, dass das Ganze nicht nur effektiv und effizient, sondern auch ethisch korrekt erfolgt.
Arbeitet Opta Data aktuell an einem konkreten KI-Produkt?
Helmig: Wir arbeiten an vielen unterschiedlichen Themen im Bereich Künstlicher Intelligenz. Wir haben bei uns im Haus die sogenannte KI-Zentrale gegründet, unseren Anlaufpunkt für die gesamte Unternehmensgruppe. Dort werden Use Cases bestimmt und zentral reguliert und gesteuert. Darunter befinden sich sowohl kundenorientierte Themen als auch interne Projekte, denn was gut für unsere Kunden ist, wird für uns intern auch nicht unbedingt schlecht sein. Wir sind in zahlreichen KI-Feldern unterwegs, wie Spracherkennung, Texterkennung und optische Verfahren.
Der GKV-SV hat die Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit von DiGAs zuletzt stark kritisiert. Wie schätzen Sie die Situation ein? Haben DiGAs nun einen schweren Stand auf dem deutschen Markt?
Helmig: Das Thema DiGA ist zugegebenermaßen schwierig. Wir beobachten das schon seit langem. Die Ausgangslage ist dabei kompliziert. Persönlich finde ich digitale Lösungen für die Therapie zeitgemäß. Es bestehen allerdings Herausforderungen im Antrags- und Abrechnungsverfahren für die Beteiligten. Auch für die App-Hersteller sind die bürokratischen Hürden sehr hoch. Die Ansicht des GKS-SV, DiGAs seien gemessen am Therapieerfolg zu teuer, ist ernst zu nehmen, allerdings bestehen auch wenige Benchmarks und Erfahrungswerte für die Einordnung der entsprechenden Leistungen. Hier bräuchte es einen Restart, um die Player, die aktuell in dem Feld unterwegs sind, neu zu motivieren. Aber aktuell herrscht auf beiden Seiten schlechte Stimmung.
Zu guter Letzt: Was ist „the next big thing“ im digitalen Gesundheitswesen?
Helmig: KI und Big Data sind meiner Meinung nach die wirklich großen Zukunftsthemen. Sobald alle Player miteinander vernetzt sind, können wir Daten wunderbar austauschen. Das wird dann eine Menge Futter für den KI-Motor liefern und am Ende werden wir neue Prozesse gestalten, die ihrerseits die Art der Therapie beeinflussen könnten. Die Herausforderung dabei ist die Frage, wie so etwas gesteuert wird. Zu viel Regulatorik ist schlecht, gar keine Regulatorik ist aber auch nicht gut. Wir brauchen Grenzen, gerade bei einem Thema mit so sensiblen Daten. Wir verstehen uns als Wegbereiter und Vordenker und möchten das für alle Partnerinnen und Partner im Gesundheitswesen greifbar machen.