Vier Jahre nach Inkrafttreten der DiGA-Rahmenvereinbarung ziehen elf Gesundheitsverbände eine kritische Bilanz. In einer gemeinsamen Stellungnahme betonen sie: Digitale Gesundheitsanwendungen haben sich als evidenzbasierte und patientenorientierte Lösungen bewährt – doch die derzeitigen Rahmenbedingungen bremsen Innovationen aus.
Die von der Schiedsstelle 2021 beschlossene Rahmenvereinbarung sollte Klarheit und Planungssicherheit schaffen. Stattdessen sei der Markt bis heute durch überbordende Regulierung, komplexe Verfahren und eine innovationshemmende Preislogik geprägt. „Die aktuelle Rahmenvereinbarung erzeugt Unsicherheit und der Markt droht zu stagnieren, bevor sein volkswirtschaftliches und gesundheitliches Versorgungspotenzial überhaupt gehoben ist“, so die Position der Verbände.
Dabei zeigen DiGA laut den Verbänden bereits heute Wirkung: Sie verbessern die Versorgung, insbesondere in Bereichen mit ärztlicher Unterversorgung und steigendem demografischem Druck. Um dieses Potenzial künftig besser auszuschöpfen, brauche es jedoch eine „mutige Weiterentwicklung der DiGA-Rahmenbedingungen“.
Forderung nach digitalpolitischem Kurswechsel
Im Zentrum der Forderungen stehen drei Punkte: Erstens brauche es eine faire und innovationsorientierte Finanzierung. Die Preisbildung müsse den tatsächlichen Mehrwert einer DiGA abbilden – basierend auf Indikation, Innovationsgrad und Versorgungseffekt. Auch eine schnellere Verfügbarkeit in der Therapie und strukturierte Nachsorge müssten berücksichtigt werden.
Zweitens wird eine Entbürokratisierung angemahnt. Überflüssige Auflagen wie Zwei-Faktor-Pflichten oder die AbEM-Regelungen sollten abgebaut, pauschale gesetzliche Preisgrenzen vermieden werden.
Und drittens müsse die Akzeptanz von DiGA gestärkt werden: Einfachere Verschreibungs- und Einlöseprozesse sollen die Nutzung erleichtern und das Vertrauen in digitale Medizin stärken.
Das Fazit der elf Verbände: Deutschland braucht eine „DiGA-Politik der zweiten Generation“ – einen regulatorischen Rahmen, der Innovation nicht verwaltet, sondern aktiv ermöglicht.
Die mitwirkenden Verbände:
Bitkom – Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.
BPI – Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie
Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V.
BVMed – Bundesverband Medizintechnologie e.V.
DigitalHealthGermany e.V.
eurocom e.V.
Pharma Deutschland e.V.
SPECTARIS – Deutscher Industrieverband für Optik,
Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung e.V.
VDGH – Verband der Diagnostica-Industrie e.V.
vfa – Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V.