Der Hilfsmittelverband „Wir versorgen Deutschland“ (WvD) hat die jüngste Forderung der Techniker Krankenkasse (TK) nach einer Rückkehr zu Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich deutlich zurückgewiesen. Die von der TK in den Raum gestellten Einsparpotenziale von bis zu 850 Millionen Euro jährlich bezeichnet WvD als „reine Fantasiezahlen“, die zentrale Aspekte der Versorgungsrealität ausblenden.
„Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Ausschreibungen weder Einsparungen bringen noch die Qualität sichern – im Gegenteil: Sie führen zu Lieferengpässen und Versorgungsabbrüchen“, so Henning Schweer, Generalsekretär von WvD. Schon 2019 habe der Gesetzgeber die Abschaffung von Ausschreibungen mit dem Hinweis auf die Gefährdung der Versorgungsqualität begründet.
Laut WvD sind die von der TK genannten Beträge rein theoretische Rechengrößen ohne Bezug zur realen Ausgabenentwicklung. Sowohl die Einführung 2007 als auch die Abschaffung 2019 hätten keine spürbaren Effekte auf die Kostenentwicklung gehabt. Die durchschnittliche jährliche Steigerungsrate der Hilfsmittelausgaben habe sich lediglich um einen Prozentpunkt verändert.
Hilfsmittel sind nicht das Kostenproblem
WvD verweist auf aktuelle Zahlen des Vdek: Im Jahr 2024 stiegen die Ausgaben für Hilfsmittel um 4,8 Prozent – deutlich unter dem Wachstum der GKV-Gesamtausgaben (8,2 Prozent). Krankenhauskosten wuchsen parallel um 8,8 Prozent, Arzneimittel um 10 Prozent, Heilmittel sogar um 10,3 Prozent. Der Anteil der Hilfsmittel an den gesamten Leistungsausgaben beträgt lediglich 3,8 Prozent – von einem „Kostentreiber“ könne also keine Rede sein.
„Wer wirklich Kosten senken will, muss auf nachhaltige Reformen setzen, statt auf gescheiterte Kostendämpfungsinstrumente aus der Vergangenheit“, betont Schweer. Der Verband plädiert stattdessen für den Abbau unnötiger Bürokratie – etwa durch einen bundesweiten administrativen Rahmenvertrag – sowie für konsequente Digitalisierung und die Einführung eines einheitlichen ermäßigten Umsatzsteuersatzes auf alle Hilfsmittel. Diese Maßnahmen könnten spürbar Ressourcen bei Krankenkassen und Leistungserbringern freisetzen – „zum Wohle der Patientinnen und Patienten“, so Schweer.