„Warum unterstützen?“
Warum schreitet die Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht schneller voran? In der Diskussion rund um die Transformation der Gesundheitsfachberufe stellte Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, eine Gegenfrage: „Warum soll man etwas unterstützen, wenn man keine Mitsprache hat?“ In die Entwicklung von Gesundheits-KI etwa fließe keine pflegerische Kompetenz ein.
Für eine größere Wertschätzung ihrer Profession spricht sich die Pflegeexpertin daher auch für eine Akademisierung sowie strukturelle Veränderungen aus. So könne die Pflege mehr in Entscheidungsprozesse und Abläufe integriert werden. Vogler kritisierte: In Deutschland sei die Bevölkerung zu sehr auf den Arzt fixiert. „Das sagt einem, ob man gesund ist oder nicht.“
Digitalisierung: Vorteile kommunizieren
„Wir müssen die Kommunikation an den Anfang setzen.“ Melanie Wendling, Geschäftsführerin des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg), macht sich Gedanken, wie die Akzeptanz für die Digitalisierung erhöht werden könne. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die Prozesse nicht auf derartige Schritte ausgerichtet seien. Den Akteuren müsse daher erklärt werden, wie die Digitalisierung sie im Versorgungsalltag unterstütze. Als Beispiel erwähnte Melanie Wendling die Gendermedizin und erklärte: „Individualisierung geht nicht ohne KI.“
Auch der zunehmende Fachkräftemangel sowie der Wunsch nach Teilzeitarbeit zwinge die Akteure im Gesundheitssystem zur Digitalisierung, ergänzte Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. „Das Versorgungsniveau ist ohne technische Unterstützung nicht zu halten.“
Die CDU-Gesundheitspolitikerin Sabine Borchardt pflichtete dem Kassenchef bei und appellierte unter anderem, die telemedizinischen Möglichkeiten besser zu nutzen.
Darüber hinaus soll die Digitalisierung künftig den bürokratischen Aufwand für alle Beteiligten eindämmen. Der TK selbst wolle Ende des Jahres in der Lage sein, elektronische Rechnungen entgegenzunehmen, so Thomas Ballast. Die ARGE eGesundheit arbeite zudem an „einer pragmatischen Lösung“ für die eVerordnung im Hilfsmittelbereich.
In diesem Zusammenhang kritisierte Ballast außerdem die „fast schon hysterische Verankerung von Datenschutzmaßnahmen“ in den Digitallösungen. Der TK-Chef sprach sich für ein angemessenes Verhältnis zwischen Risiken und Nutzen aus. Schließlich leide die Nutzerfreundlichkeit für die Anwender unter einem immer höheren Sicherheitsniveau.