Knapp zwei Drittel aller Stürze von älteren Menschen bleiben unentdeckt. Das teilt der belgische Technologieanbieter Nobi mit, der sich auf Leuchten zur Sturzerkennung und -prävention für die Altenpflege spezialisiert hat. Auf der Medica in Düsseldorf vom 13. bis 16. November 2023 stellt er unter anderem die Ergebnisse des staatlich geförderten Pilotversuchs mit Nobi Leuchten im britischen Pflegeheim Hartland House vor.
Die Ergebnisse
1. 64 % aller Stürze bleiben unentdeckt
Hochgerechnet auf 100 Zimmer und den Zeitraum eines Jahres wurden vor dem Einsatz von Nobi 226 Stürze erfasst. Die viermonatige Testphase habe jedoch ergeben, dass sich tatsächlich aufs Jahr gerechnet 625 Stürze – wieder hochgerechnet auf 100 Zimmer – ereignet haben. Ein ganz anders Bild als bisher angenommen, da Nobi 100 % aller Stürze erfassen soll.
2. Klassische Rufsysteme werden häufig nicht genutzt
82 % der gestürzten älteren Menschen waren in dem Pilotversuch nicht in der Lage, das vorhandene klassische Rufsystem zu nutzen. Dahingegen ruft Nobi automatisch bei allen Sturzvorfälle Hilfe herbei, auch wenn die gestürzte Person selbst nicht mehr aktiv dazu in der Lage ist.
3. Nobi reduziert Stürze um bis zu 84 %
Durch die automatische Raumbeleuchtung zur Vermeidung von Desorientierung und die proaktive Benachrichtigung des Personals, wenn sich ein sturzgefährdeter Mensch anschickt aufzustehen, soll ein Großteil der Stürze verhindert werden. Außerdem hilft Nobi, den Grund für den Sturz zu identifizieren. Wenn ein Sturz passiert, schickt die Leuchte dem Pflegepersonal ein vereinfachtes Strichmännchen-Bild, das zeigt, wo sich die Person im Raum befand und zeichnet 15 Sekunden Bildmaterial vor und nach dem Sturz auf. Mit diesen Informationen können präventive Maßnahmen getroffen werden, um mögliche künftige Stürze zu verhindern.
4. Durch sofortige Benachrichtigung der Pflegekräfte nach einem Sturz reduziert sich die Interventionszeit auf unter zwei Minuten
Hartland House hat berechnet, dass es vor dem Einsatz der Nobi Leuchten nach einem Sturz, wo der Pflegebedürftige nicht selbst Hilfe rufen kann, bis zur Entdeckung bei einem Routinerundgang circa 57 Minuten gedauert hat. Mit Nobi hat sich die Interventionszeit auf unter zwei Minuten reduziert.
„Wir sind sehr zufrieden mit den vorläufigen Ergebnissen des Pilotprogramms mit Hartland House und den Nobi Leuchten. Die Auswirkungen, die diese Technologie auf unsere ältere Bevölkerung und das Gesundheitssystem in der Region haben könnte, sind wirklich aufregend, und wir freuen uns darauf, in Zukunft mit Nobi zusammenzuarbeiten, um unserer älteren Bevölkerung zu helfen,” sagt Deborah Gent, Leiterin für digitale Altenpflege beim NHS Lancashire und South Cumbria ICB.
Roeland Pelgrims, CEO von Nobi, der die Ergebnisse des Hartland House-Pilotversuchs auf der Medica vorstellt, ist überzeugt: „Alterspflegetechnologie spielt eine wichtige Rolle dabei, Pflegekräfte mit den notwendigen Informationen auszustatten, damit sie korrekte und proaktive Entscheidungen treffen können, um ältere Menschen bestmöglich zu unterstützen und ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen.”
Auch in der DACH-Region laufen nach eigenen Angaben erste Pilotversuche mit Nobi Leuchten, wie beispielsweise im Landhaus Neuenegg in der Schweiz und im Alten- und Pflegeheim Maria Rast in Österreich.